Workshop/ Theaterlabor am 12./13.11.2016 jeweils 10.00 – 16.00 Uhr

Herrschaftsinstrument und Widerstandswaffe

in der Kulturwerkstatt „Grüne Villa“ (Am Treff 4, 06124 Halle/ Saale)

English version

Vor knapp 50 Jahren entwickelte Augusto Boal mit dem Team des Arenatheaters in São Paulo (Brasilien) das Zeitungstheater. Es sollte die erste Technik des Theaters der Unterdrückten (TdU) werden. Das Zeitungstheater berücksichtige bereits die Zweischneidigkeit der damaligen Medien. Einerseits als Herrschaftsinstrument (die Diktatur kontrollierte die Medien), andererseits als Widerstandswaffe (die Beeinflussung der Medien kann eine Revolution auslösen).

Das Zeitungstheater wird im 21. Jahrhundert immer seltener eingesetzt. Nichtaber weil es nicht mehr aktuell sein sollte. Augusto Boal hatte bereits darauf hingewiesen, dass die Wahrheit von der herrschenden Klasse immer manipuliert wird. Das war vor 50 Jahren so und ist heute vielleicht sogar noch stärker so. Doch die Medien haben sich multipliziert. Radio gab es damals schon, Fernsehen kam hinzu und heute fungieren die sogenannten sozialen Medien als die raffiniertesten Herrschaftswerkeuge. Gleichzeitig aber haben die Medien Revolutionen ermöglicht. Z.B. half das Radio in den Philippinen beim Sturz des Diktators Marcos, das Fernsehen in Chile kippte die Machtbilanz gegen Pinochet, und die neuen Medien lösten den arabischen und persischen Frühling aus.

Heute sehen wir die Manipulation der Wahrheit in vielen Zusammenhängen: Migration, Gender, Wirtschaft, Integration, Ökologie, Sicherheit, Freund- und Feindbilder. Welche Rolle kann das Theater der Unterdrückenin dem Zusammenhang im Umgang mit den modernen Medien spielen? Dafür braucht es auf jeden Fall kreative Ideen und Techniken, um sich mit den aktuellen Fragen auseinander zu setzen. An diesem Wochenende wollen wir bestehende und neue Techniken be- und erarbeiten. Die Ergebnisse können sowohl in Deutschland als auch darüber hinaus von AktivistInnen, JournalistInnen und weiteren Interessierten genutzt werden.

Inhalte des Workshops

Das Medientheater Workshop/Labor-Wochenende teilt sich in einem Workshop am Samstag den 12.11. (10:00-16:30 Uhr), in dem wir das Medien-Industrielle Komplex analysieren wollen. Schwerpunkte: Machtverhältnisse, Akteure, Widerstand.

Der Sonntag, der 13.11. (10-16:30 Uhr), hat vor allem Laborcharakter: Wir wollen bestehende und neue Techniken zum Erarbeiten und Umsetzen von Widerstandsstrategien entdecken und entwickeln.

Teilnahme am Workshop/Labor erfordert keine Vorkenntnisse. Workshop/Labor werden bei Bedarf mehrsprachig angeboten.

Es wird gearbeitet mit den Techniken des Theaters der Unterdrückten: Zeitungstheater, Bildertheater, Forumtheater, Regenbogen der Wünsche.

TeilnehmerInnenbeitrag: 35,00 €für beide Tage, nach Möglichkeit im voraus zuzahlen

Registration:

Peter Igelmund (Halle)
peter.igelmund@gmx.de
aktionstheater-ev@web.de
+49 1638220830

or: Ronald Matthijssen (Wien)
ronald@c-linq.nl
+43 676 669 1477

Der Joker/ Worshopleiter:

Ronald Matthijssen (NL 1961) ist Fachhochschullehrer und Übersetzer, und arbeitet seit über 25 Jahren mit dem Theater der Unterdrückten. Von 1999-2011 war er einer der Kernmitglieder der Rotterdamer TdU-Truppe Formaat. Er arbeitete dort sowohl als Joker als alsFundraiser/Akquisiteur für TdU-Projekte. Seitdem gibt er internationale Workshops zum Thema Strategieentwicklung und neuerdings zum Medientheater. Viele Veröffentlichungen zum TdU auf Niederländisch, Englisch, Deutsch und Spanisch. Er lebt derzeit in Wien und ist dort beim TdU Wien involviert. Website: www.c-linq.nl/deund www.tdu-wien.at. Das MedienTheaterwirdeinSchwerpunkt von seiner Arbeitfür die kommendenJahre sein.

Veranstaltet von Aktionstheater Halle e.V. In Zusammenarbeit mit: Friedenskreis Halle e.V. Im Rahmen des Programms “Weltoffen, Solidarisch, Dialogisch” der Stiftung Nord-Südbrücken.
Gefördert von Engagement Global im Auftrag des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

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